Blog 11/09 - Lesen und Kommentieren

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Beeinflusst die Krise das Weiterbildungsverhalten
Das Fatale in dem auf die aktuelle wirtschaftliche Situation bezogene Wort „Abschwung“ ist der Teil des Schwungs. Das bedeutet nichts anderes, als dass die einmal aufgenommene Beschleunigung in negativer Konjunkturrichtung nur mit erheblicher Anstrengung überhaupt zu einer konstanten Abwärtsgeschwindigkeit gebracht werden kann, bevor auch nur an eine Aufwärtsbewegung gedacht werden kann...
Der durch eine Vielzahl von Presseberichten in Deutschland geprägte Eindruck, die Konjunktur sei eine Art Schaukel und auf eine Abwärtsbewegung folge notwendigerweise ein Wendepunkt, nach dem es schwungvoll wieder bergauf geht, hat wenig Bestand. Alle bisher gespannten Rettungsschirme haben den freien Fall nur unwesentlich gebremst und die Finanzwelt befindet sich weiterhin in einer sich selbst bestärkenden Spirale, bei der aus Krediten seitens der Regierung gerade das Notwendigste abgefangen werden konnte. Die von den Unternehmen, die unter Absatzproblemen leiden, neu benötigten Kredite werden nur zögerlich vergeben, da die Finanzinstitute die Gelder zur eigenen Stabilisierung benötigen.

Auch direkt an Unternehmen fließenden Investitionen der Bundesregierung, die auf langfristige Wirkung hin zielen, wie die Weiterbildungspakete aus dem Konjunkturpaket II, deren Ziel es ist, Deutschland gestärkt aus der Krise zu hervor gehen zu lassen, werden im besten Fall zögerlich angenommen. So versauern im Konjunkturtopf rund 150 Millionen Euro, die für Qualifizierungsförderungen während der Kurzarbeit gedacht waren.

Doch woran hapert es? Ist Deutschland bildungsunwillig? Sind die Verwaltungshürden zu groß oder ist Weiterbildung zwar ein politisch gemochtes und von der Presse gerne aufgenommenes Thema, das an den realen Bedürfnissen vorbei geht? Können die hochgelobten Universitäten, die sich weithin mit Exzellenz- und Elite-Attributen schmücken, nicht die Weiterbildung bieten, die so dringend von der Industrie in der Krise benötigt wird? Dabei bietet gerade die RWTH Aachen ein umfassendes
Weiterbildungsangebot, das nach allen geforderten Regeln der Bundesagentur für Arbeit akkreditiert wurde. Oder sind es doch die Fehlentscheidungen seitens der mal gelobten, mal beschimpften Manager? Betrachten diese die Ausgaben für Weiterbildung nicht als eine der wichtigsten Zukunftsinvestitionen ihrer Unternehmen  mit erkennbarem ROI, sondern nehmen solche Ausgaben als Verluste wahr? Dann werden solche Ausgaben lieber direkt auf „0“ gesetzt, um, besonders als börsennotiertes Unternehmen, den Aktionären einen kurzsichtigen Gewinn zu verschaffen. Damit schließt sich der Kreis der Schuld und wir stehen wieder am Anfang: sind doch wieder die Finanzmärkte und ihre systemimmanente auf den Shareholder Value von Unternehmen begrenzte Sicht  der Dinge Schuld an der Misere – oder?
 

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